Auf dem 4,5 Kilometer langen Hockenheim traten die Teams der DTM Classic Tourenwagen Legenden in die Schlussphase der Saison 2021 ein. Mehr noch: Sie eröffneten auch ein Rennen gegen die Zeit. Denn nur eine Woche nach den beiden Wertungsläufen im badischen Motodrom würde auf dem Norisring im Herzen Nürnbergs der krönende Abschluss des ganzen Rennsport-Jahres ins Haus stehen – arbeitsreiche Tage also für die betreuenden Mannschaften, nicht zuletzt für das 18 Personen umfassende Einsatzteam der Mercedes-Benz-Spezialisten von tst sport + technik. Zusätzliche Spannung verhieß das Resultat einer Wette unter Männern: Patrick Huisman, in der DTM der Jahre 2001 bis 2003 im Zeichen des guten Sterns aus Stuttgart-Untertürkheim am Start, forderte Seriensieger und Titelaspirant Klaus Ludwig heraus. Das Ergebnis: durchaus ambivalent. 

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Guido-Momm-2128815 © Farid Wagner, pitwall media

Die Schlagzeilen:

Königliches Vergnügen: Klaus Ludwig triumphiert im leuchtgelben AMG-Mercedes-C-Klasse von INTAX Motorsport, technisch betreut von tst sport + technik, im Samstagsrennen.

Holländischer Konter: Patrick Huisman setzt sich im Sonntagsrennen, vom letzten Startplatz kommend, mit Rundenvorsprung durch – der zweite Streich für die Stern-Spezialisten.

Starke Kundenpiloten: Guido Momm erkämpft sich mit der „zweiten Luft“ am Samstag den zweiten Gesamtrang vor Gerbert Luttikhuis im schnellsten Mercedes-Benz 190 E 2.5-16.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Klaus-Ludwig-2128219 © Farid Wagner, pitwall media

So lief das Freie Training am Freitag, 1. Oktober 2021, um 9:35 Uhr:

2.431 Sekunden: Mit diesem Vorsprung setzte sich DTM-Champion Klaus Ludwig wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag zunächst deutlich im Freien Training gegen seinen im Wortsinn großen Herausforderer, den hoch aufgeschossenen Niederländer Patrick Huisman, durch. Letzterer nahm aufgrund einer Wette unter Männern in Thorsten Stadlers 1996er-C-Klasse Platz. Der DTM-Pilot der Jahre 2001 bis 2003 hatte Serien-Sieger und Titelanwärter Ludwig einmal mit annähernd identischem Material zum Duell auffordern wollen. Logisch, dass er mit dem vor 25 Jahren vom Dänen Kurt Thiim gefahrenen Original-Fahrzeug erst einmal mit einer gewissen Demut zu Werke ging und nichts riskierte. Zudem war Huisman auch auf dem Kunden-Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 seines niederländischen Landsmannes Gerbert Luttikhuis gemeldet. Mit dem ursprünglich bei tst sport + technik aufgebauten und zumindest in Teilumfängen technisch betreuten, rund 320 PS leistenden Viertürer überraschten die zwei Holländer auf dem vierten Gesamtrang. An sechster Stelle folgten Kurt Thiim und Serien-Neueinsteiger Guido Momm mit der 1994 von Ellen Lohr gesteuerten Original-C-Klasse von AMG-Mercedes-Benz. Auch wenn es sich bei ihrem bildschön aufgebauten Exemplar noch um ein klassisches „Blech-Auto“ mit entsprechender Rohbau-Karosserie handelt, rechneten sich Momm und sein dänischer Referenzfahrer schon noch einige Positionen weiter vorn aus. Dies Qualifying um 9.00 Uhr am Samstagmorgen musste zeigen, ob dies möglich sein würde.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Klaus-Ludwig-2128803 © Farid Wagner, pitwall media

So lief das Qualifying am Samstag, 2. Oktober 2021, um 9.00 Uhr:

0.971 Sekunden: Mit diesem Abstand zu seinen Gunsten entschied Patrick Huisman das Qualifikationstraining für sich. Auch wenn sein AMG-Mercedes CLK DTM der Einsatzjahre 2001 bis 2003 deutlich mehr Reifen-Auflagefläche zu bieten hatte, tastete er sich auch mit schmaleren Pneus couragiert ans Limit heran – die Zeitlupen-Aufnahmen zeigten ihn während der Livestream-Übertragung auf allen vier Rädern driftend. Klaus Ludwig sah sich durch einen gelockerten Wagen-Unterboden gebremst. Dies führte zwar zu spektakulärem Funkenflug, aber naturgemäß zu keiner Zeitverbesserung. Dennoch sicherte er sich den verbleibenden Platz in der ersten Startreihe vor Kurt Thiim und Guido Momm, die die Troika der C-Klassen nach dem Reglement der Klasse 1 komplettierten. Mit Gerbert Luttikhuis qualifizierte sich ein weiterer Kundenpilot als Gesamtsiebter in den Top Ten.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Patrick-Huisman-2128172 © Farid Wagner, pitwall media

So lief das erste Rennen am Samstag, 2. Oktober 2021, um 17:10 Uhr:

Bis zur neunten Runde schien die Vormachtstellung von Klaus Ludwig erstmals in dieser Saison gefährdet zu sein. Pole-Setter Patrick Huisman führte mit einem Abstand von einer bis eineinhalb Sekunden vor dem dreifachen DTM-Titelgewinner. Dann jedoch platzte der Traum für den Niederländer, Huisman steuerte die Box an. Ludwig setzte sich mit mehr als einer Runde Vorsprung am Ende zum siebten Mal in dieser Saison bei einem Lauf der DTM Classic Tourenwagen Legenden durch.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Guido-Momm-2128551 © Farid Wagner, pitwall media

Der Geschlagene kommentierte: „Ich hatte von Anfang an Probleme beim Schalten. Klaus hat in meinem Windschatten sofort viel Druck ausgeübt. Im Laufe des Rennens hat das Getriebe immer schlechter mitgespielt. Irgendwann ist es dann im dritten Gang hängen geblieben. Wie sagt man doch so schön – ‚to finish first, you first have to finish‘. Dennoch hat mir der Ausflug in den Klasse-1-Mercedes-Benz heute extrem viel Spaß gemacht“, erklärte Huisman, dessen Vorstellung in der ersten Rennhälfte auch Klaus Ludwig zu würdigen wusste. „Ich hätte es dem Patrick sehr gegönnt, er war sagenhaft schnell unterwegs. Ich habe alles gegeben und war zwar immer wieder dran – aber an ihm vorbei zu kommen, das wäre schwer geworden. Die Reifen waren am Limit. Ich hatte ein paar richtige Quersteher und ich dachte mir, wenn er so weiter fährt, bekommt er Probleme. Wir haben ja nun einmal nur diese schmalen, kleinen Räder wie ein Alltagsauto, die wesentlich weniger Grip bieten. Wir fahren lediglich dreieinhalb Sekunden langsamer als die aktuellen DTM-Boliden und das mit 25 Jahre alten Autos. Alles in allem ist es schon sehr erstaunlich, was damals Tolles gebaut worden ist“, stellte Klaus Ludwig im Ziel fest.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Patrick-Huisman-2128298 © Farid Wagner, pitwall media

Hinter Ludwig lieferten sich in der letzten Runde Guido Momm im AMG Mercedes C-Klasse DTM 1994 sowie Gerbert Luttikhuis im Mercedes 190 E 2.5-16 ein packendes Duell um die verbleibenden beiden Podestplätze. „Ich musste ordentlich kämpfen heute. Mein Start war gut und ich war dann auch im Groove. Von hinten kam nicht viel, dann wurden aber die Reifen schwächer, ich bin etwas vorsichtiger gefahren. So kamen Gerbert und Marc Hessel heran, das sind ja nun auch keine Nasenbohrer, die habe ich dann laufen gelassen. Am Ende kam bei mir die dann zweite Luft“, erzählte Guido Momm, der letztlich Zweiter wurde vor dem „fliegenden Holländer“ Luttikhuis, der die Wertung der Klasse zwei für sich entscheiden konnte „Ich hatte plötzlich ein Geräusch im Auto. Vor dem Rennen hatte ich die Bremsklötze erneuert. Ich wollte einen Ausfall vermeiden. Ich habe mich ein wenig zurückfallen lassen und versucht, ob alles geht. Auf einmal war das Geräusch weg, aber dann war Guido an mir vorbei. Ich hatte gehofft, ihn noch zu kriegen“, meinte Gerbert Luttikhuis, der am Ende 0,267 Sekunden hinter Guido Momm über den Zielstrich fuhr.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Guido-Momm-2129733 © Farid Wagner, pitwall media

So lief das zweite Rennen am Sonntag, 3. Oktober 2021, um 16:30 Uhr:

Aufziehender Regen spülte das Feld am Sonntagnachmittag noch einmal durcheinander. Auch bei frischem Wind blieben die meisten Zuschauer auf den Tribünen sitzen, um wie schon in Assen zwei Wochen zuvor das letzte Highlight des Renntages hautnah mitzuerleben. Für Klaus Ludwig – den Sieger des Vortages – und Kurt Thiim, die aus der ersten Reihe starteten, war die Partie schon nach zwei Runden beendet: Rauchentwicklung beim einen, abfallender Öldruck beim anderen. Stellvertretend für beide konstatierte Klaus Ludwig: „Das ist extrem teures, hoch entwickeltes und nebenbei 25 Jahre altes Material – und wir haben in der kommenden Woche noch ein Rennen, vielleicht das wichtigste des gesamten Jahres. Da musst Du auf den kleinsten Misston achten und sofort abstellen, um einen größeren und damit noch kostenintensiveren Schaden zu vermeiden. Wir machen hier ja keine Werkseinsätze, sondern müssen uns immer vor Augen führen, dass auch jemand da sein muss, der die ganze Musik bezahlt – auch an dieser Stelle mal ein großes Dankeschön!“

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Patrick-Huisman-2129912 © Farid Wagner, pitwall media

Nutznießer der beiden Ausfälle war … Patrick Huisman. Nachdem Thorsten Stadler mit dem eigenen Auto auf den Start verzichtete, kam der Niederländer abermals zum Zuge. Stadler, der aufgrund von Rückenproblemen zurücksteckte, erklärte: „Der hydraulische Druck der Getriebebetätigung war durch ein minimales Leck ganz leicht unter den Sollwert geraten. Wenn das passiert, legt die Steuerung der Schalteinheit keine weiteren Gänge ein. Bis zum Sonntag hatten wir dieses kleine Problem mit umso größerer Wirkung wieder gelöst.“ Huisman bedankte sich mit einem ungefährdeten Erfolg. Er freute sich im Ziel: „Aufgrund der Umstände war es ein schwieriges Rennen, wenngleich ich einen Vorsprung von einer Runde vor dem Rest des Feldes hatte. Die Bedingungen haben sich permanent geändert. Vielen Dank an Thorsten Stadler, dass er mir diesen Einsatz ermöglicht hat. Ich habe jede einzelne Runde sehr genossen!“

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Guido-Momm-2129763 © Farid Wagner, pitwall media

Marc Hessel, der 1988 für AMG-Mercedes mit dem 190 E 2.3-16 in der DTM startete, kehrte 33 Jahre nach seinem letzten Auftritt mit dem „Baby Benz“ ins Cockpit von Gerbert Luttikhuis zurück, der über Knieschmerzen klagte und auf den zweiten Lauf verzichtete. Das unerwartete Resultat: Gesamtrang zwei.

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Patrick-Huisman-2130002 © Farid Wagner, pitwall media

Schon am kommenden Wochenende zelebrieren 31 Starter das große Finale der DTM Classic Tourenwagen Legenden auf dem 2,3 Kilometer langen Norisring. Wer nicht als Zuschauer vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit, das Geschehen in der Livestream-Übertragung auf grid.dtm.com zu verfolgen.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Fotografie: ©Farid Wagner, pitwall media

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DTM-Classic-tst-sport-und-technik-Mercedes-Benz-Klaus-Ludwig-2128186 © Farid Wagner, pitwall media